Adobe Media Player

Adobe Media Player LogoDie Kollegen von onlinejournalismus.de haben ihn schon erwähnt und Frank Patalong hat ihn auf Spiegel Online in den Himmel gelobt. Höchste Zeit also, dass wir uns den Adobe Media Player (AMP) mal etwas genauer ansehen.

Der AMP ist kein Media Player im klassischen Sinne, sondern das Frontend eines IPTV-Angebots, die Namensgebung also etwas unglücklich.

Prinzipiell hören sich die Features toll an, die der Spiegel-Artikel aufzählt. Besonders für mich als geplagten DVB-T-Nutzer wäre Fernsehen über eine stabile (Internet-)Leitung ein absoluter Hochgenuss (ist blöd, wenn das Bild immer dann einfriert, wenn Luca Toni gerade aufs Tor zu rennt ;o)). Das, was der Spiegel-Artikel als so toll heraushebt (Episoden von CSI: NY ansehen, obwohl die auf den Seiten von CBS nur von US-Amerikanern abrufbar sind), bot VeohTV aber schon vor einigen Monaten – noch dazu in größerer Fülle.
Auch die im Adobe Media Player integrierte Downloadfunktion hatten andere Portale bereits Monate zuvor implementiert (noch dazu ohne Hindernisse wie DRM, welches beim AMP obligatorisch ist).

Zugegeben, die tollen Inhalte von Veoh sind seit einiger Zeit nur noch über Internetleitungen aus den USA abrufbar. Jedoch stellt sich die Frage, wie lange die US-Serien in Adobes Media Player noch frei verfügbar sind. Hinsichtlich dessen malen SpOn, heise und andere die Zukunft in düsteren Farben.
Ebenfalls negativ fällt mir der hohe Hardware-Hunger des AMP auf. Für HD-Auflösung müssen schon ein Doppelkern-Prozessor und 2 GB RAM her – das schaffen andere Portale günstiger. Immerhin verleugnet Adobe seine Wurzeln nicht und bietet den AMP auch für den Mac an.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Der AMP ist ein solides IPTV-Angebot mit interessanten Funktionen und (teils) hochwertigen Inhalten. Die Revolution auf dem Web-TV-Sektor, die der SpOn-Artikel ankündigt, ist das System aber bei weitem nicht. Vergleichbare oder sogar umfangreichere Inhalte haben andere IPTV-Channels schon seit Monaten, auch was die Features angeht fehlt dem AMP das Alleinstellungsmerkmal. Einige Macken hat das System auch noch: Manche Videos sind hin und wieder nicht verfügbar, manchmal kommt eine schriftliche, dann wieder eine akustische Fehlermeldung – aber auch da ist der AMP auf dem IPTV-Markt nicht alleine.

Einziger echter Vorteil des Adobe Media Players: Hinter ihm steht ein bekanntes und etabliertes Unternehmen, das dank der Flash-Technologie über eine nicht zu unterschätzende Macht im Web-TV-Markt verfügt.

April 2008

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