Alles omnipräsent, oder was?
Aufwachen mit einem Video-Clip-Wecker, auf dem GPS-Gerät den Stau per Video-Satellit voraussehen, beim Tanken Video-Werbung über der Zapfsäule verfolgen oder Fahrkartenkauf am Video-Schalter. Mit diesen und weiteren Assoziationen orakelt James L. McQuivey die omnipräsente Zukunft der bewegten Bilder im Jahr 2013. Seine Thesen in der Zusammenfassung.
1. waking up to a video alarm clock;
2. checking satellite weather videos on your mobile phone;
3. watching traffic videos on your GPS unit while driving in to work;
4. watching an ad for a Ford Edge on Gas TV while fueling up at a gas station;
5. streaming MSNBC stock reports from your desktop at work;
6. seeing a short address from your CEO in a meeting-room photo frame;
7. watching a promo for American Gladiators in the back of a video-enabled taxi on the way to the airport;
8. hearing Glenn Beck’s take on the elections while waiting at the airport gate;
9. watching a clip from your daughter’s middle-school debut in Guys and Dolls that your spouse emailed as you board the plane;
10. indulging in American Idol on the satellite TV on your JetBlue flight;
11. checking in at your hotel through a video kiosk; and finally
12. catching Iron Man in HD on the hotel room’s flat-screen TV.”
Die Videos bleiben seiner Meinung nicht nur auf dem Fernseher oder Computer, sondern werden portabler und omnipräsent. Die skizzierte Präsenz von Videos jeglicher Art auf dem Handy ist nicht neu, wohl aber die Vorstellung der bewegten Bebilderung auf installierten Displays überall in der Stadt, Fahrzeugen oder Gebäuden. Schenkt man seiner Theorie Glauben, oder nimmt mindestens die „außer Haus“ Verbreitung von Videos an, schafft das neben diskutablen Vor- und Nachteilen vor allem Gewinn für eine: die Werbung. Das Video selbst wird nicht nur zur plakatierbaren Litfasssäule, dessen Inhalte man überall zum bewerben hernehmen kann, sondern die eigentlich plakatierbare Litfasssäule wird zur Ausstellungsfläche von Videos jeglicher Art.




Videos überall? Bewegtbild-Overkill? Im ersten Moment klingen die Thesen nach dem endgültigen medialen Griesbrei und damit unappetitlich. Doch im zweiten Moment finde ich sie fast noch zu harmlos. Denn
1. die Vermehrung der Bildschirme hat gerade erst begonnen. Viele Dinge vom Auto über den Kühlschrank bis zur Klotür haben bisher nicht oder nur im Hochpreissegment integrierte Bildschirme. Die werden jedoch immer billiger. So macht es für immer mehr Hersteller Sinn, ein paar Euro mehr ins Produkt zu investieren, wenn dadurch für den Kunden neuer Mehrwert geschaffen werden kann. Zum Beispiel für
2. Ganz neue, alltägliche Videoanwendungen. Hat mal jemand versucht, per Gebrauchsanleitung die Notverriegelung eines Cabriodachs zu betätigen? Angesichts der kryptischen Schemazeichnungen eine echte intellektuelle Herausforderung. Was aber wäre, wenn die Bedienungsanleitung über den Autobildschirm als kleines How-to-Video abzurufen wäre? Schließlich bleibt
3. nützliche Information nützlich - auch wenn sie Werbung ist. Wenn ich in fremder Stadt Hunger und Lust auf italienische Küche habe, freue ich mich über die Videoportraits italienischer Restaurants, die mein Handy mir anbietet. Ist das eher ein Laden mit Drei-Nationenküche und Plastikstühlen, das Etepetete-Restaurante oder die gemütliche Familienpizzeria? Überhaupt dürfte
4. die Rolle des Handys als Informationsscout nach wie vor massiv unterbewertet sein. Viele denken, dass das, was heute das Internet kann, künftig das Handy übernimmt, plus GPS und Umfeldsuche. Aber kann das 4711-Immer-dabei-Handy nicht auch eine aktive Rolle übernehmen? Meine Interessen, Vorlieben oder Bedürfnisse speichern und Signale an all die Bidlschirme senden, die so scharf darauf sind, mir ihre Botschaften zu überbringen? Unerwünschte Botschaften zu unterdrücken, dafür sehr individuell zugeschnittene herauszusuchen und mir anzubieten? Wird vielleicht sogar jemand meine Handyrechnung übernehmen, weil ich ihm erlaube, mir die mir angenehmen Inhalte zu zu spielen?
Videos, wie wir sie heute kennen, werden in fünf Jahren durch eine neue Gattung von Videos ergänzt werden: Servicevideos. Videos, die dann einen hohen Nutzen haben, wenn sie auf die jeweilige Bedürfnislage des Nutzers treffen. Die vermutlich jede Landesmedienanstalt als Werbung klassifizieren wird - und die situativ trotzdem willkommen sind. Ich sage nicht, dass sie klassisches Fernsehen oder journalistische Information ablösen – aber sie werden einen eigenen, umfassenden Platz erobern.
Öhm … ihr habt nen Trojaner auf eurer Website - mein Antivir ist grad angesprungen … kontrolliert das mal bitte. Eventuell hat euch jemand gehackt um den zu platzieren.
*Nachtrag* Trojaner heißt: TR/Dldr.HTML.Agent.IS
Jun 23rd, 2008 at 21:33
[…] Juni 2008 Julia Schmid von Websehen.net macht heute auf Thesen von James L. McQuivey von Forrester Research aufmerksam, die in fünf Jahren […]