Was will der Zuschauer?
„The New Balance: Future challenges for Broadcast Journalism in a fragmented Global World“ war der Titel des heutigen Haupt-Vortrags auf der Circom-Konferenz in Maribor, Slowenien. Dahinter versteckt sich ein Referat über eine millionenschwere Untersuchung US-amerikanischer Nachrichtensendungen. Die Frage hinter der Studie: Wie müssen Nachrichtenbeiträge aussehen, damit sie den Zuschauer anlocken?
Im Rahmen der Studie haben Wally Dean vom Committee of Concerned Journalists und sein Team 34.000 Nachrichtenbeiträge angesehen, die zwischen 1998 und 2002 publiziert wurden.
„The story is the brand“, war eine der Kernaussagen von Wally Dean. Im Web zählt das noch viel mehr: 50 Prozent aller Zeitungsleser in den USA haben kein Papier mehr in der Hand, sondern Tastatur und Maus, sie lesen ihre Nachrichten online. Und hier haben nicht die Verleger die Macht darüber, was gelesen wird, sondern Dritte: Google und andere Suchmaschinen liefern den Deeplink auf den gewünschten Artikel – somit werfen 75 Prozent aller online-Zeitungsleser (der USA) keinen Blick auf die Startseite eines Nachrichtenportals, sondern springen direkt zu der Story, die sie interessiert. Eine Schlussfolgerung: Internetartikel müssen sowohl den wirklich Interessierten ansprechen, der sich schon von Haus aus gut im Thema auskennt, (etwa über weiterführende Links) als auch denjenigen, der nur über die Hauptseite surft, um sich einen Nachrichtenüberblick zu verschaffen.
„The story is the brand“ gilt auch im Fernsehen – und noch viel mehr in der Kombination von TV und Web. Dean hat das Beispiel einer halbstündigen Rede von Barack Obama angeführt. Alle amerikanischen Nachrichtensender haben in den Nachrichten nur kurze Ausschnitte der Rede gezeigt, während sich Millionen von Amerikanern die ganze Rede auf Youtube angesehen haben, ohne etablierten Medienunternehmen auch nur einen Klick zu gönnen.
Ergebnisse der TV-Studie
„Viewership is less influenced by what you cover – and more by how you cover it.“
Die Menge der journalistischen Anstrengungen, die für eine Story unternommen werden – Recherche verschiedener Quellen, verschiedene Standpunkte, Experten, etc. – ist doppelt so wichtig wie das eigentliche Thema der Story, wenn es um die Quote geht.
Ein wichtiger Punkt sind also – auch in „hard news“ – Storytelling-Techniken.
„To the degree that every story can be made more complete as the result of more reportin, the audience will reward it with progressively higher ratings.“
Jede Story hat mehrere Stufen – die Berichterstattung über einen Verkehrsunfall an einer Kreuzung könnte etwa durch eine Statistik, wie viele Unfälle an dieser Kruezung passieren, informativer gemacht werden. Der Journalist, der den Aufwand betreibt, diese Zahl herauszufinden, wird im Schnitt mehr Zuschauer haben.
Bedeutung für die Berichterstattung
Bei allen Storys besonders wichtig ist der Fokus des Beitrags.
Vier Fragen helfen, den Fokus der eigenen Story zu finden:
Worum geht es wirklich in der Story?
- Was ist der Kern der Geschichte?
- Was muss der Zuschauer an Hintergrundinformationen haben?
- Können wir ein „großes“ Thema herunterbrechen, um es leichter verständlich zu machen?
- Reflektiert eine „kleine“ Geschichte vielleicht einen größeren Trend?
- Wer interessiert sich für die Story?
Welche Informationen braucht der Zuschauer?
- Welche Frage(n) muss der Bericht beantworten, um dem Zuschauer weiterzuhelfen?
- Weiß der Zuschauer mehr, nachdem er den Bericht gesehen hat?
- Wenn Zuschauer ihr neu gewonnenes Wissen umsetzen können, wie können sie es tun?
Wer hat nötige Informationen?
- Wer kennt die Fakten?
- Wer kann die Fakten in den Zusammenhang stellen?
- Wo ist der zentrale Ort der Geschichte? Wird dort gefilmt?
- Wen und was kann außen vor gelassen werden?
Wie wird die Story am besten erzählt?
- Was bringt die story voran– Plot, Charaktere, Bilder, Details, Fakten, Sounds?
- Wie kann die Story am besten erzählt werden? (Insbesondere wichtig im Web, da sich hier viel mehr Möglichkeiten bieten, eine Story zu erzählen als im TV.)
- Wie kann der Rest der Geschichte erzählt werden?
Unterschiedliche Fragen für unterschiedliche Themen
Politikberichterstattung
- Der Fokus des Berichts sollte weniger auf einem Entscheidungsträger oder einer Institution liegen als eher auf den gesellschaftlichen Problemen, welche die Regierung zu lösen versucht. Zentrale Frage: Was wird unternommen und wie wirkt es sich auf die Prebleme aus?
- Der Zuschauer will wissen, was passiert, aber ebenso das „Warum“ verstehen.
- Mehrere Quellen/Interviews/Standpunkte machen einen Bericht interessant.
- Vor Wahlen muss sich der Journalist andere Fragen stellen: Was interessiert den Wähler an den Kandidaten? Wie komme ich an Informationen, die den Wähler bei seiner Meinungsbildung unterstützen?
Berichte über Kriminalität und öffentliche Sicherheit
- Was ist die Story hinter dem Vorfall? Hintergrundinfos und zentrale Charaktere sind wichtig.
- Nicht nur das „Was“, sondern auch das „Warum“ interessiert den Zuschauer.
- Wichtige Frage: Was bedeutet die Geschichte für den Zuschauer?
etc.
Ein Reporter vor Ort und Storytelling-Techniken helfen den sogenannten „Daybook Stories“ (was im Voraus geplant werden kann – Pressekonferenzen, etc.) jedoch mehr als anderen News (Polizeibericht, etc. – sofern eine Länge von ca. 90 Sekunden nicht überschritten wird).
Die detaillierten Ergebnisse seiner Studie hat Wally Dean im Buch „We interrupt this newscast“ zusammengefasst.




Jul 18th, 2008 at 18:51
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Moin
ich habe meinen Rechner nun soweit zusammen ……