Mobile TV

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Circom Regional, das Netzwerk öffentlich-rechtlicher Regionalsender in Europa, hat in den letzten Monaten in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen die Aussichten von Mobile TV und insbesondere DVB-H untersucht. Die Ergebnisse wurden heute auf der 26. Jährlichen Circom Konferenz in Maribor, Slovenien, vorgestellt. Websehen war dabei.

Weltweit gibt es verschiedene Normen für mobiles Fernsehen. Die am weitesten verbreitete Möglichkeit, Bewegtbilder auf Handys zu übertragen, ist UMTS. Der Vorteil liegt in der großen Verfügbarkeit auf der ganzen Welt. Der DVB-H-Standard hingegen ist das Mittel der Wahl für Circom. DVB-H ermöglicht eine bessere Bildqualität und mehr Kanäle als UMTS und verfügt über einen integrierten Rückkanal. Der größte Vorteil gegenüber UMTS: Ist das Signal einmal in der Luft, ist es egal, ob zehn Menschen unterwegs fernsehen wollen oder zehn Millionen. Bei vielen gleichzeitigen Anfragen könnte ein UMTS-Netz hingegen zusammenbrechen. Der Nachteil von DVB-H: Die Technologie ist noch nicht verbreitet, am weitesten noch in Europa.
In Italien ist Mobile TV bereits verfügbar: Rund 300.000 Kunden zahlen dort einen monatlichen Beitrag, um unterwegs auf über einem Dutzend Kanälen fernzusehen, erklärt Tobias Hellmuth, der sich für Circom mit Mobile TV beschäftigt. In Finnland besteht ebenfalls ein Mobile TV-Netz, aufgrund technischer Probleme wurde der Sendebetrieb jedoch eingestellt. „Ready to go“ sind Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Dort soll Mobile TV spätestens 2009 starten. In vielen anderen Ländern, darunter Großbritannien, Spanien, Dänemark und Polen wird immer noch an der Technologie und der Umsetzung geforscht.

Der typische Fernsehzuschauer (undifferenziert, passiv, lean-back-Situation) wird sich mehr und mehr zu einem aktiven Zuschauer wandeln, erklärt Prof. Gerhard Eitz von der Fachhochschule Ansbach: „Der Zuschauer der Zukunft wird sein eigener Programmdirektor sein.“ Dabei wird das Handy neben großem TV im Wohnzimmer und dem Heim-PC der „dritte Bildschirm im Haus“ sein.
Mobile TV wird auch die Nutzungsgewohnheiten verändern, so Eitz. Ein Punkt dabei ist, dass das gemeinsame Fernseherlebnis vor dem großen Bildschirm wegfällt. Der Content muss sich dem Produkt anpassen, war die Schlussfolgerung von Catherine Bomeisl von France 3. Bestehender Fernsehcontent lässt sich nicht 1-zu-1 auf Mobile-TV übertragen. Vielmehr interessieren sich Nutzer von Handyfernsehen für kurze Nachrichten, die Wettervorhersage oder kurze Entertainment-Stücke, die etwa die Wartezeit an der Bushaltestelle verkürzen können. Chinesische „Mobisodes“ beispielsweise dauern maximal neun Minuten.

„Es gibt mehr Handys als PCs auf der Welt“, verdeutlicht Peter Sauer vom Bayerischen Rundfunk das Marktpotenzial von Mobile TV. Allerdings kann auch aufgrund (noch) bestehender technischer Grenzen der Endgeräte nicht einfach Fernsehcontent gestreamt werden. Mobile TV verfügt – abhängig vom Handy – über eine wesentlich geringere Auflösung als selbst der PAL-Standard. Darüber hinaus schaffen aktuelle Handys in der Praxis nur 12 bis 15 Bilder pro Sekunde. Dem muss auch die Aufbereitung des Materials Rechnung tragen:

  • Es sind mehr Close-ups nötig.
  • Der Kontrast der Displays ist schlecht, daher müssen die Bilder einen hohen Kontrast aufweisen oder es muss in der Postproduktion nachgebessert werden.
  • Schnelle Schwenks oder schnell bewegte Objekte lassen sich nicht gut darstellen.
  • Aufgrund der kürzeren Aufmerksamkeitsspanne (Warten auf den Bus, Kaffeepause während der Arbeit, etc.) dürfen die einzelnen Videos nicht sehr lang sein.
  • Bauchbinden und Untertitel müssen wesentlich größer sein, um noch lesbar zu sein (ca. ein Drittel der Displayhöhe)

In wenigen Wochen wird in Erlangen eine Testphase zu Mobile TV anlaufen: Dabei soll 24 Stunden am Tag Programm gesendet werden (geloopt), es gibt fünf Kanäle: „Info Mobile TV“, „City-Service“, „News“, „Entertainment“ und „Kinowelt“. Partner dabei sind das Fraunhofer Institut in Erlangen, Circom, der BR (Nachtrag: Der BR ist kein offizieller Partner des Projekts in Erlangen), die FH Ansbach sowie die Stadt Erlangen. Die Zielgruppe während der Testphase sind die CEOs der Partnerunternehmen, junge Menschen und „People on the move“.

Für die Finanzierung von Mobile TV gibt es nach Aussagen von Andres Eben von Circom verschiedene Möglichkeiten: Neben werbefinanziertem Mobile TV stehen Bezahldienste wie etwa in Italien zur Diskussion. Dabei darf die monatliche Belastung aber nicht höher als fünf bis zehn Euro sein, sonst fänden sich nicht genug Kunden.
Das große Geld werde aber ohnehin nicht mit den monatlichen Grundgebühren, sondern mit extra zu bezahlendem Premium-Content gemacht, so Circom-Mitarbeiter Tobias Hellmuth. Seiner Aussage nach müssen sich die Verfechter von DVB-H jedoch beeilen: „Rundfunkanstalten und Fernsehsender müssen jetzt mit Mobile TV anfangen, denn die Telekommunikationsanbieter wollen diese Technologie nicht. Daran können sie nichts verdienen.“

Ein Kommentar bei “Mobile TV”

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