Wer reden will, muss zahlen

Margarethe Schreinemakers ist mit eigener Show zurück im TV. Naja, auf Neun Live, dafür aber mit parallel laufendem Web-TV. Einzigartig interaktiv soll das Konzept laut der Macher sein. Was da dran ist erklärt Malte Borowiack, er hat sich für uns im Angebot mal umgesehen.

Es ist ein Format, das die kostenpflichtige Rufnummer schon im Namen trägt „Schreinemakers 01805 100 232“: Partnervermittlung und Call-In-Sendung in einem, das Ganze im Fernsehen zu sehen auf 9Live und parallel im Web– nach dem ersten Klick auf schreinemakers.de kommt einem allerdings ein böser Verdacht. Möchte die Moderatorin Margarethe Schreinemakers („Schreinemakers live“, „Big Diet“) unter dem Deckmantel des Web 2.0 einsame Internet-Surfer schröpfen und sich auf deren Kosten in die Medienwelt zurückbringen?

Über die Website soll sich eine Community entwickeln, Nutzer können ein Profil erstellen und Videos hochladen. Wer sich dann aber unterhalten möchte – Themenwahl frei, prominent beworbene Aktionen wie „Single der Woche“ geben die Richtung aber vor – muss löhnen. Für 14 Cent die Minute kann man sich am Telefon in das „Chathouse“ einwählen und quatschen. Internet-Chat? Messenger-Kontakt? Fehlanzeige.

Dann ist da die Sendung: Ein Mal in der Woche spricht Margarethe Schreinemakers zeitgleich im Web und auf 9Live über Partnerschaft, Scheidung, Sex und ähnliches mehr. Spiegel Online lästert nach der ersten Ausstrahlung kräftig über den Niveauabsturz der einst prominenten TV-Talkerin. Die Zuschauer können anrufen, mitreden und Experten befragen, ebenfalls für 14 Cent pro Minute. Im Vergleich zu dem sonstigen 9Live-Programm ist das günstig, und noch ein Unterschied ist augenfällig: Dieses Format lebt nicht davon, dass niemand durchkommt, sondern dass H@nz und K@nz ihre Meinung sagen. Dass der Otto-Normal-Surfer nicht für ein höheres Gesprächsniveau garantiert als es in der TV-Nachmittagschatshow herrscht, überrascht nicht.

Wenn man einmal sämtliche Inhalte ausblendet und die Niveaudiskussion den Feuilletonisten überlässt, muss man feststellen, dass hier tatsächlich etwas Neues versucht wird: Eine Online-Community bekommt die Möglichkeit zum Telefon-Kontakt untereinander – ohne, dass Privatnummern oder Skype-Kontakte ausgetauscht werden müssen – und kann eine Sendung mitgestalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Betreiber verdienen ihr Geld nicht vorrangig mit Werbung, sondern mit ihrem Kuchenstück an den Telefongebühren. Dass deswegen keine alternativen Kontaktmöglichkeiten angeboten werden, ist aus unternehmerischer Sicht verständlich.

Die Kosten sind transparent, der Leistungs-Test steht allerdings noch aus: Wie schwierig ist es, in der Sendung zu Wort zu kommen und auf diesem Weg das Web-TV mitzugestalten? Treffe ich in den Kontakträumen „echte“ Nutzer oder Mitarbeiter der Schreinemakers-Redaktion? Und: Was bedeutet das alles für meine Telefonrechnung, von der ich vielleicht Dank Flatrate überschaubare Kosten gewohnt bin?

Malte Borowiack

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