Musik in Online-Videos

Musik in Online-Videos

Musik ist in Videos ein wichtiger Stimmungsträger, für manche Filme gar unverzichtbar. In Online-Videos sind Lieder aber ein schwieriges Thema. Natürlich, auf Youtube wird einfach hochgeladen, hin und wieder fliegt ein Video wegen Copyright-Verstößen raus. Wie sieht es aber für die Webseiten von Medienunternehmen oder private Internetpräsenzen aus? Welche Songs dürfen eingesetzt werden und wo kriegt man sie her?

GEMA-pflichtige Musik scheidet meist aus – die Kosten sind vergleichsweise hoch, nicht kalkulierbar (da pro Abruf gezahlt werden muss) und der Verwaltungsaufwand ist recht hoch (falls sich jemand die Regelung antun möchte (pdf)). Abgesehen davon sind nur wenige Medienunternehmen bereit, für Musik in Online-Videos überhaupt zu zahlen.

Was also tun?

Die ältere Möglichkeit ist, direkt mit Künstlern/Bands in Verbindung zu treten und sich von ihnen die Rechte für eins ihrer Werke zu sichern. Eine Plattform, über die ich schon einige Stücke für Videos gefunden habe, ist die „Soundgarage“ des Radiosenders Antenne Bayern. Hier können Bands ohne Plattenvertrag ihre Werke hochladen und veröffentlichen. Im Normalfall haben die Künstler ihre Homepage angegeben, darüber kann mit ihnen Kontakt aufgenommen werden. Bisher hat mir hier noch niemandem eine Abfuhr erteilt, Namensnennung der Urheber versteht sich von selbst. Die Nachteile liegen auf der Hand: Die Suche auf der Internetseite eignet sich nicht für die Suche nach Filmmusik, es gibt nur ganz wenige Instrumentalstücke in der Datenbank und man braucht manchmal Geduld: Einige Tage kann es durchaus dauern, bis die Liedermacher wieder mal ihr Mail-Postfach leeren.

Schöpferisches Gemeingut

Eine anderer (und wesentlich effektiverer) Weg ist ein vergleichsweise neues Lizenzierungsmodell: Creative Commons (CC). Nicht nur Musik, sondern quasi jedes Werk, das Urheberrecht garantiert, kann unter eine CC-Lizenz gestellt werden (also auch Texte, Bilder, Videos, etc.). Creative Commons ersetzt das sonst übliche „all rights reserved“ durch „some rights reserved“. Welche Rechte gewährt werden, kann der Urheber entscheiden. Kommuniziert werden die vorbehaltenen Rechte durch einfache Icons (alle folgenden Bilder werden von Creative Commons zur Verfügung gestellt).

CC-by by – Attribution – frei zu verwenden, Namensnennung erforderlich.
Juhuu, was will man mehr?

CC-by-nc by, nc – Attribution, Noncommercial – Namensnennung, nur für nicht-kommerzielle Verwendung
Hier steigen Medienunternehmen aus. Bei öffentlich-rechtlichen Sendern liegt die Verwendung rechtlich zumindest in einer Grauzone. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte die Finger davon lassen, wurde mir von John Hendrik Weitzmann, dem Verantwortlichen für die Portierung von CC ins Deutsche Recht, geraten. In Kürze sollen hier konkretere Vorgaben ausgearbeitet werden. (den Button gibt es auch mit durchgestrichenem Euro-Zeichen ;o))

CC-by-nd by, nd – Attribution, No Derative Works – Namensnennung, keine Bearbeitung erlaubt
Das Werk unter CC-Lizenz darf nicht bearbeitet werden. Problematisch: In der Welt von CC gilt auch die Verwendung eines Musikstücks in einem Video als Bearbeitung, selbst wenn der Song ungeschnitten eingespielt wird. Fällt für uns also aus.

CC-by-nc-nd by, nc, nd – Attribution, Noncommercial, No Darative Works – Namensnennung, nur für nicht-kommerzielle Verwendung, keine Bearbeitung
Die Kombination der beiden obigen Fälle. Fällt für Videos ebenfalls aus.

CC-by-sa by, sa – Attribution, Share Alike – Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Das entstandene Werk muss ebenfalls unter eine Creative Commons Lizenz gestellt werden. sa ist mit nc und nd beliebig kombinierbar.

Natürlich besteht bei nc- und nd-Lizenzen immer noch die Möglichkeit, mit den Künstlern selbst in Kontakt zu treten und eine Sondervereinbarung zu treffen. Das bietet sich gerade bei längerfristigen Projekten an, da die Auswahl doch erheblich größer wird.

Wo bekomme ich Musik her?

gratisvibes.com - Weblog, das immer wieder CC-Musik vorstellt. Nette Auswahl, wird beständig erweitert, jedoch viel nc- und nd-Musik.

www.jamendo.com - Musikplattform mit riesiger Auswahl. Momentan (Ende März 2008) knapp 8.000 Alben von nahezu 5.000 Musikern. Bestes Feature: Es kann nach CC-Lizenz gefiltert werden, also etwa nur „by-Musik“ durchstöbert werden.

ccmixter.org - Eine weitere Seite mit viel CC-Musik.

magnatunes.com - Keine CC-Webseite mehr, Musikplattform mit nicht ganz so großer, dafür handverlesener Auswahl. Der Download kostet schon mal (soviel wie man zu zahlen bereit ist, mindestens jedoch fünf Dollar), die Verwendung auf Video-Websites wie Youtube ist kostenlos, alles andere ist lizenzierungspflichtig. Der Preis für die Lizenz richtet sich nach verschiedenen Kriterien: Etwa, ob das ganze Lied oder nur ein Teil verwendet werden soll, welches Budget für den Film zur Verfügung steht, etc. Kostet zwar (ab ca. 30 US-Dollar), der Preis ist aber von vornherein bekannt.

soundtaxi.net - Ebenfalls keine CC-Webseite, sondern Musik, deren Lizenz abhängig von der Verbreitungsart kostet. Für Web-Verbreitung vergleichsweise günstig (ab ca. 35 US-Dollar), gute Musikauswahl und gute Suchmaschine für die Verwendung in Videos. Ist jedoch austauschbar mit vielen anderen Websites, die GEMA-freie Musik anbieten (google hilft)

Aus der Praxis:

Für dieses Video, das ich für den BR erstellt habe, habe ich eine knappe Stunde nach passender Musik gesucht. Zugegeben, im Tagesgeschäft eine recht lange Zeitspanne. Die zu investieren, hat sich aber durchaus gelohnt. Ohne entsprechenden Sound wäre das Video keinen Pfifferling wert.

3 Kommentare bei “Musik in Online-Videos”

  1. klasse recherchiert und sehr hilfreich!

  2. Für meine Produktionen arbeite ich auch gerne mal mit Musikern zusammen, die passend zu dem Projekt dann einen entsprechenden Sound mixen. Das Gute daran: Man kann die vollständigen Rechte an dem Song erwerben. Bei einem Kundenauftrag kann also der Song gleich mitangeboten werden und weiterhin als Präsentationsmusik, auf Veranstaltungen oder für alles andere hergenommen werden. Je nach Aufwand ist das Ganze gar nicht mal so kostspielig.

    Wo ich aber auch immer wieder Musik herunterlade, ist die Seite: shockwave-sound.com. Hier werden Loops, ganze Stücke oder kurze Jingles - nach verschiedenen Kategorien geordnet -angeboten. Ein Track kostet nie mehr als 29,99 Dollar und kann rechtlich bedenkenlos in Videoproduktionen eingesetzt werden.

  3. Echte Musik finde ich schöner als nachproduzierte Hits im Studio, deswegen meine Empfehlung für alle, die Musik professionell benötigen:
    www.renommee.net
    Hier findet man gute Musik, Loops, Soundlogos - insgesamt über 5.000 Titel, die nach Stimmung oder Themen in Sekunden recherchiert werden können. Die Rechte sind alle geklärt und die Stücke innerhalb fünf Minuten lizenzierbar für die jeweilige Verwendung. Die Musik ist überwiegend GEMA frei und deswegen kostengünstig.

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