Zoomer im Fokus

Zoomer im Fokus

Seit Anfang Februar ist Zoomer am Start. Zielgruppe: 20- bis 35-Jährige, Geldgeber: Holtzbrinck. Da Lolo den Videoeinsatz der Redaktion lobt und Ulrich Wickert dort ein Videoblog unterhält, ist es Zeit für einen genaueren Blick. Erster Eindruck: seltsam leer. Die Seite im Firefox aufrufend merke ich: Viele der Flash-Goodies bei Zoomer mögen einfach meinen Browser nicht …

Der zweite Blick offenbart: Zoomer ist definitiv keine normale Nachrichtenseite, sondern bricht einige Vorgaben auf, die bisher als Standard angesehen wurden. Schön, eine Redaktion zu sehen, die Mut zum Experimentieren im großen Stil hat. Aber immer der Reihe nach:

„Bei uns können die Nutzer über die Wichtigkeit der Meldung mitentscheiden“, sagt Zoomer-Geschäftsführer Peter Neumann auf Welt Online. „Damit werden sie mit den professionellen Journalisten gleichgestellt.“
Diese Aussage halte ich für etwas hoch gegriffen. Die Nachrichten auf Zoomer werden nach einem Punktesystem gerankt – dabei gibt es einen bis fünf grüne Punkte (spiegelt das Interesse der Leser am Thema wider) und einen bis fünf blaue Punkte (je mehr Punkte, desto aktueller). Blau plus grün ergibt das Ranking eines Artikels und – so das Versprechen – je mehr grüne Punkte ein Artikel hat (= je häufiger er geklickt wird), desto mehr Content wird die Redaktion zu diesem Thema produzieren. Klingt toll – ist aber nicht neu, denn auch andere Redaktionen orientieren sich an ihren Klickzahlen. Immerhin Transparenz. Trotzdem behält die Redaktion die Hoheit – für aktuelle Inhalte werden alle Punkte rot gefärbt, es steht „NEU“ dabei, schon ist eine Meldung Top-Thema.

Die Startseite ist auf den ersten Blick verwirrend, nach und nach wird das System jedoch klar. Community-Elemente sind prominent platziert (eine klasse Idee finde ich etwa die im Kopf ausgespielten Kommentare). Teaser sucht man auf der ganzen Seite vergeblich – Kopfzeile und Überschrift müssen reichen: spart Platz und funktioniert – ich wusste stets, zu welchem Thema ich gelange. Was mir bei den Top-Themen jedoch nie klar wurde: Komme ich zu einem Bericht, einem Video oder einem anderen Multimediaelement? (interessant: Zoomer nutzt Audio-Bildergalerien - aktuell für eine Chronologie der VW-Affäre). Ähnlich bei den „Meinungsmachern“: Manche (wie Ulrich Wickert) führen ein Videoblog, andere tippen ihre Kommentare – zumindest beim ersten Mal verwirrend.

Allgemein finde ich den Videoeinsatz nicht wahnsinnig innovativ. Einige Geschichten werden nur im Video erzählt, manchmal passt das, manchmal weniger. Bei größeren Themenkomplexen werden auf der rechten Seite die zugehörigen Geschichten gelistet – ist ein Video dabei, hat das Bildchen einen Play-Button. Die Videos selbst sind auch Standard: Vox Pops, klassische Nachrichtenfilmchen, etc. Einzig die Videoblogs heben sich aus der Masse hervor.
Nette Idee am Rande: Unter den verwandten Artikeln steht, welches Redaktionsmitglied das Thema betreut – wenn die Mitarbeiter nun noch ein bisschen mehr über sich erzählen würden als nur ihr Ressort und ihr Kürzel und/oder eine Möglichkeit zum direkten Kontakt bestünde, wäre das echt hübsch.

Für den schnellen Nachrichtenüberblick ist Zoomer sicher nicht geeignet – zu lang sind die Ladezeiten, zu unübersichtlich die Anordnung der aktuellen Themen. Abgesehen von den ersten fünf werden bei den „Top-Themen“ keine Überschriften ausgespielt, sondern nur die Teaserbildchen. Erst per Mouseover zeigt sich, was hinter den zwei Panzern auf einer Straße steckt.

Trotz aller Schwächen, Stärken und aller Innovation: Der Erfolg der Seite wird sich über die Community entscheiden. Ich bin allerdings nicht neugierig genug, um eine weitere virtuelle Identität zu verwalten – noch dazu beim großen Bruder des Studi-VZ ;o).

3 Kommentare bei “Zoomer im Fokus”

  1. Nette Übersicht, gehe auch mit fast allen deinen Punkten mit.

    Finde allerdings das Tempo der Seite gut bzw. absolut nicht langsam. Dafür stört mich die unterschiedliche Lautstärke der Videos, wenn ich das Video zu den Oscars mit einem Ulrich Wickert-Video vergleiche, muss ich schon arg am Regler drehen, um beides gleich gut zu verstehen.

  2. kurze Zusatznotiz: Ulrich Wickert ist Heruasgeber von zoomer.de

  3. Habe auf OMD Herrn Wickert getroffen und Ihm gefragt, warum nicht jedermann eigene Meldungen veröffentlichen kann. Sein Antwort: Naja das können Sie! Sie können Comments abgeben und Artikel bewerten.” Das ist alles?

    Zoomer ist zwar ganz nett, aber mann kann die Artikel leider “nur” kommentieren und nicht eigene Artikel veröffentlichen. Da gefällt mir www.online-artikel.de besser. Bei OA kann jeder eigene Meldungen veröffentlichen, andere bewerten und Comments abgeben. Das nenne ich echtes Web 2.0 Plattform.

    Außerdem hilft es einem hinsichtlich Marketing und Promotion der eigenen Projekte, weil die Meldungen unter anderem bei Google News veröffentlicht werden.

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