Wo sind die Augenzeugen?

Wo sind die Augenzeugen?

Der Relaunch von N24 wurde die Woche ja schon ausführlich unter die websehen-Lupe genommen. Jetzt wollen wir nochmal einen Blick auf die UGC-Aktion Augenzeuge@N24.de werfen. Der Nachrichtensender war einer der ersten in Deutschland, der auf das Videomaterial seiner Zuschauer und User setzte. Hat sich mit dem Relaunch was geändert?

Zunächst ein Rückblick:
N24 rief erstmals Anfang 2007 während Kyrill die User auf, Videos und Fotos vom Sturm auf der Videoplattform MyVideo hochzuladen. Das wurde anfangs auch von den Usern gut angenommen, jeder war in irgendeiner Form vom Sturm betroffen. Doch schnell ist die Augenzeugenplattform versiegt und wird mit “Katzenvideos” zugespamt. Klar, auch der stärkste Sturm ist irgendwann mal vorbei. Doch hieraus hätte vielleicht mal eine schöne Community werden können, die hier und da auch wertvoll für den Journalismus ist. Doch das was aufkeimte, hat N24 brachial mit mangelnder Aufmerksamkeit wieder im Keim erstickt, neue Aufrufe kamen nicht

Was hat sich mit dem Relaunch geändert?
„Augenzeuge gesucht“ ist jetzt die Neuauflage der Aktion. In einem Trailer fordert der Sender nachwievor den User auf Augenzeugenmaterial zu schicken. Doch darüber hinaus findet sich wenig sehenswertes, auch der ehemalige Verweis auf die MyVideo-Plattform fehlt, sodass man vielleicht etwas Sehenswertes erwarten könnte. Die Video-Vorschau darunter und nebendran zeigt auch keine kontextuellen Videos, die Lust auf mehr machen könnten. Die Sucherei schon fast aufgegeben, findet sich dann doch noch was, was nach UGC aussieht - als Kommentar unter dem dazugehörigen Artikel: User-Bilder vom Fährbetrieb zwischen Dagebüll und Föhr. Sieht nach Sturm aus. Na bitte, wenigstens etwas. Doch ansonsten Ebbe.

Bei der Vorgeschichte stellt sich einem die Frage, was will N24 jetzt eigentlich? Usercontent und exklusives Augenzeugenmaterial, oder doch nicht? Erst bieten sie den Usern eine Plattform wie MyVideo, pflegen das Angebot aber nicht mit neuen Aufrufen oder ähnlichem. Beim Relaunch haben sie sich wieder dafür entschieden und es irgendwo gut auf der Seite versteckt, sodass es ja keiner auf den ersten Blick findet.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Dr. Dirk Kleine, Geschäftsführer der ProSieben Tochter SevenSenses, sagte kürzlich in der blauen Stunde der Bayerischen Akademie für Fernsehen, dass 90 Prozent des eingesendeten Contens nicht brauchbar sei. Mag sein. Mit Sicherheit will auch N24 keine “Katzenvideos” und ein zweites MyVideo auf der eigenen Seite. Dass nicht jedes Video unter den Einsendung das nachrichtenrelevante Material bietet, dürfte klar sein - zehn Prozent sind aber immerhin ein Anfang. Und wenn der User erstmal weiß, wem er seinen Filmschnipsel anbieten kann, dann lässt sich diese Zahl künftig sicher noch steigern.

Alles in allem könnte man bei N24 die Sache ambitionierter angehen: regelmäßiger Aufrufe starten, die User animieren mitzumachen oder sonst irgendwelche „Anreize“ geben. Denn einfach so sendet keiner seinen Content an irgendjemanden - es sei denn, es ist so exklusives Material, dass er es gleich mehreren Medien anbieten könnte. Aber was hilft N24 der Augenzeugenbericht, wenn ihn NTV sendet? Klar dürfte auch sein, dass solche Aufrufe mit Arbeit und Aufwand verbunden sind, denn das Material muss gesichtet und verifiziert werden - dazu bedarf es Personal.

Oder spielt zu guter letzt vielleicht ein ganz anderer Grund eine Rolle? Funktionieren UGC-Aufrufe nur im Zusammenspiel mit einem Sturm, einem Tsunami oder sonst einer Katastrophe?

2 Kommentare bei “Wo sind die Augenzeugen?”

  1. Ähem: “hat N24 brachial mit mangelnder Ignoranz im Keim wieder erstickt.”

    *hüstel*

  2. Mhm, ja, da hast du Recht, da, da sind zwei Gedanken in meinem Kopf durcheinander gegangen … ;o)

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