Ein offenes Archiv für Filmmaterial

Seit Anfang Dezember ist eine neue Videoplattform online – eine allerdings, die nicht in Konkurrenz zu YouTube, Myvideo & Co. treten will. Die Rede ist von CMS-Gomex, einem System der ComSat Media GmbH. Auf der Plattform werden – insbesondere für Medienvertreter – Videofiles von Unternehmen bereitgestellt.

Screenshot der Startseite von CMS-Gomex Es muss schnell eine NiF über die Halbjahreszahlen von Mercedes her. Mit welchen Bildern aber soll die Wirtschaftsmeldung unterlegt werden? Arbeiter an Fertigungsstraßen? Die Produktionskette in Stuttgart? Woher soll der Online-Auftritt einer Tageszeitung solche Bilder nehmen? Um dafür einen VJ loszuschicken ist kein Geld da, außerdem würde es zu lange dauern. An dieser Stelle setzt CMS-Gomex an. „Wir versuchen, Gomex zur Google-Plattform für Medienmaterial zu machen“, sagt Vera Heck, Produktionsleiterin bei ComSat. „Wenn jemand zum Beispiel [Aufnahmen] eines Flugzeugs sucht, soll er das ebenso finden, wie Footage von Unternehmen.“

Das ganze System erinnert stark an die Archive von Fernsehsendern – sofern diese bereits digital vorliegen. Einen Unterschied gibt es jedoch: Die Inhalte in Gomex sind vollkommen frei verfügbar. Jedermann kann sich registrieren, online Material etwa von Mercedes sichten, direkt im Browser schneiden und anschließend in sendefähiger Qualität herunterladen – kostenlos.

Das Geschäft der ComSat ist es, Material (hauptsächlich Audio und Video) von Unternehmen aus der Wirtschaft unter das Medienvolk zu bringen. Mit der nach eigenen Aussagen einmaligen Plattform will sich der Konzern fit für das digitale Zeitalter machen (Zugegeben: Ich kenne nichts vergleichbares – gibt es etwas ähnliches vielleicht über dem Großen Teich?). Die Bandbreite der Clips ist sehr groß: Miele-Werbespots aus den 60ern, Aufnahmen aus dem Hochlager und dem Versand von Quelle, Produktionsstraßen von ThyssenKrupp. Das Rohmaterial, aus dem sich Redakteure anschließend ihre Beiträge zusammenschneiden können, ist mit einer Bitrate von acht MBit/s mpeg2-codiert. Diese Qualität dürfte für fast alle Web-TV-Angebote und die meisten Fernsehsender reichen.

Viel Material liegt allerdings noch nicht vor. Fünf Konzerne haben in den zwei Wochen seit Start des Systems Videoclips eingestellt. In Kürze soll noch Mercedes dazukommen, so Heck. Von der Detroit Motor Show im Januar – auf der die schwäbischen Autobauer das System bewerben wollen – erhofft sich die ComSat eine Menge neuer Kunden. Mehr will Heck nicht verraten. „Es wird sich in den nächsten Wochen einiges tun“, ist alles, was sie sagt. Auf der anderen Seite stehen momentan rund 260 Personen, die Material herunterladen. Bis Ende 2008 rechnet Heck mit bis zu 8.000 registrierten Nutzern.

Zwei Features der Datenbank stellt Heck besonders heraus: Die Möglichkeit, die Clips noch online zu schneiden und nur das benötigte Teilstück herunter zu laden sowie die Aktualität, mit der Videos eingestellt werden sollen. So soll es möglich sein, beispielsweise das Pressestatement eines Vorstandsvorsitzenden live anzusehen, Timecodes mitzuschreiben und direkt im Anschluss nur die benötigten Schnipsel mit den wichtigen O-Tönen herunterzuladen.

Das Geschäftsmodell hinter CMS-Gomex ist einfach: Die ComSat stellt die Plattform zur Verfügung und produziert hin und wieder selbst die Videos. Die Unternehmen zahlen eine jährliche Pauschale, damit ihr Material online angeboten wird und die Medien können sich kostenlos bedienen. Hinter der Plattform steht noch eine Agentur, die dafür sorgt, dass sich das Material möglichst weit verbreitet.

Das System hat eindeutig Potenzial. Und wenn es der ComSat gelingt, viele Firmen von ihrer Plattform zu überzeugen, könnte das CMS schon bald zu den ersten URLs gehören, die Fernseh- und Web-TV-Sender ansteuern, wenn es um Videonachrichten oder Archivmaterial geht. Inwieweit es bedenklich ist, sich für negative (oder auch positive) Berichterstattung über ein Unternehmen Videos zu besorgen, die ebenjene Firma explizit zur Veröffentlichung freigegeben hat, bleibt letztendlich jeder Redaktion selbst überlassen. Produktionskosten und Zeitdruck sprechen klar für die neue Datenbank. Dann gibt es nur noch einen Wermutstropfen: Der einzige akzeptierte Browser des Systems ist der Internet Explorer.

Update 17.12.2007, 18.25 Uhr: Laut Heck soll das System im ersten Halbjahr 2008 so ausgebaut werden, „dass jeder Player und jeder Browser die Plattform nutzen kann“.

4 Kommentare bei “Ein offenes Archiv für Filmmaterial”

  1. Internet Explorer, da lach ich mich doch tot. Ich würde mal sagen, dass nicht wenige der Zielgruppe Macs benutzen. Die bekommen dann schöne Fehlermeldungen wie ich gerade.

  2. Tolle Wurst. Kann die Seite auch mit dem IE nicht richtig nutzen. Sehr professionell…

  3. Fehlermeldung:

    “Der Server unter satcom-tv.dyndns.tv konnte nicht gefunden werden.”

    Da muss aber moch jemand ein wenig üben.

  4. Muss mich meinen Vorrednern anschließen. Wie weitsichtig ist das denn, den IE als “einzig akzeptierten Browser des Systems” festzulegen??? Abgesehen davon, zerreisst er mir auch da das ganze Design. Na ja…

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