Mobisode, Webisode oder doch lieber Tardisode?
Um neue Trends aufzuspüren, schaut man gerne mal über den großen Teich. Besonders in Sachen Unterhaltungsformate haben uns die Amerikaner einiges voraus. Hier wird mit verschiedenen Web und Mobile Formaten experimentiert, die es sicherlich bald auch in Deutschland durchsetzen werden.
Die Rede ist von so genannten Mobisodes und Webisodes – jeweils ein Portmanteau oder Neologismus aus den Worten „Mobile“ oder „Web“ und „Episode“. Dahinter verbirgt sich die Folge einer Serie, die speziell auf die Bedürfnisse von Internet- und Handynutzung zugeschnitten ist. Das heißt in erster Linie: eine kurzweilige Folge, meist zwischen einer und drei Minuten lang, die den Inhalt einer TV-Folge zusammenfasst oder eine komplett selbständige Handlung passend zum TV-Format erzählt.
Kurze, prägnante Schnitte, die schnell einen Spannungsbogen aufbauen, sind der Schlüssel zur erfolgreichen Webisode oder Mobisode. Das Ende bildet, wie bei jeder richtigen TV-Folge, ein Cliffhanger, der zum weiterschauen animiert. Weil Mobisodes gerne auf dem Weg von oder zur Arbeit geschaut werden und es an der Bushaltestelle oder in der U-Bahn gerne laut ist, verzichten die Macher auch auf unnötige Geräusche.
Der amerikanische Sender Fox launchte Anfang 2005 sein erstes Mobisode-Format zur vierten Staffel der Erfolgsserie „24“ - in erster Linie, um Werbung für das TV-Format zu machen. „24 Conspiracy“ bestand aus 24 einminütigen Folgen, die einen eigenständigen Handlungsstrang erzählten. Sie wurden extra produziert: Gedreht wurde nicht mit den Schauspielern der TV-Serie, sondern mit speziell Gecasteten. Im 3-Tage-Rhythmus wurden dann die Mini-Folgen veröffentlicht und das einstige Werbeprodukt entwickelte sich für Fox zu einem großen Erfolg.
Und was sind nun Tardisodes?
Fox erkannte schnell, was man hier kreiert hatte und schützte sich die beiden Wortkreationen. Die BBC in Großbritannien wollte sich davon aber nicht abhalten lassen, entwickelte ihr eigenes Miniformat zur Erfolgsserie Doctor Who und nannte es Tardisode. TARDIS nimmt dabei Bezug auf die Zeitmaschine in der Serie (Time And Relative Dimension(s) In Space).
Eine BBC-Tardisode war direkt nach der aktuellen Folge von Doctor Who verfügbar, und beinhaltete unveröffentlichtes Material und eine Vorschau auf die nächste TV-Folge. Die Handyversion war mit durchschnittlich 3000 Downloads pro Folge allerdings nicht ganz so erfolgreich wie die Webversion mit 2,6 Millionen Downloads. Dabei waren beide Versionen als öffentlich-rechtliches Angebot kostenfrei.
Webisode, Mobisode, Tardisode – wie immer man diese neuen Formate nennen mag, sie sind ein Unterhaltungsformat mit Potenzial. Sie bieten dem modernen Fernsehzuschauer einen Mehrwert zur Lieblingsserie und binden ihn an Programm und Sender.




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