Nokia N95 – genug für den Multimedia-Journalisten?

Ein paar Monate ist das N95 von Nokia auf dem Markt und mittlerweile testen einige Medienunternehmen das Gerät im Einsatz. Ich hatte Gelegenheit, das Handy im Feld auszuprobieren. Für ein Mobiltelefon bietet das N95 extrem viele multimediale Anwendungen. Aber reicht das für den „Multimediajournalisten“?

Nokia N95Bilder mit fünf Millionen Bildpunkten sowie Videos mit 640 x 480 Pixeln und 30 fps vor Ort aufnehmen, kurz bearbeiten und per WLAN, HSDPA oder EDGE in die Redaktion schicken – klingt nicht schlecht. Und auch auf den zweiten Blick muss man zugeben: Das Gerät ist (beinahe) Fotoapparat, Videokamera und SNG im Hosentaschenformat. Gespeichert wird entweder auf einer Micro-SD-Karte mit bis zu 2 GB Speicher oder (bei den neueren Modellen „N95 8GB“) auf einer 8 GB großen Festplatte. Reuters experimentiert schon etwas länger mit dem Handy und entsprechendem Zubehör und dank David Dunkley Gyimah dürfen wir Mäuschen beim Erfahrungsbericht vor der Online News Association spielen. Hier noch ein paar Erfahrungen aus erster Hand.

Die mit dem Gerät geschossenen Fotos sind wirklich brauchbar. Sitzt jemand im Backoffice, kann dort mittels eines kleineren Bildausschnitts auch der fehlende optische Zoom ausgeglichen werden. Die fünf Megapixel lassen hierfür genug Spielraum. Text einzutippen ist mit Nummerntastatur und T9 sehr mühselig (ich schreibe praktisch nie eine SMS) – für lange Texte wäre eine Bluetooth-Tastatur ratsam. Bilder und Text gehen danke EDGE auch ohne UMTS-Netz noch flott raus. Für Ticker, Live-Blogs oder ähnliches ist das N95 also sehr gut zu verwenden. Nur die Akkulaufzeit ist im Einsatz etwas unberechenbar.

Auch die Videoqualität ist für ein Mobiltelefon wirklich nicht zu verachten und für die meisten Websites ausreichend (der Autofokus zickt hin und wieder). Dazu bietet das Telefon die Möglichkeit, die einzelnen Clips zu schneiden und zu arrangieren. Das Schnittprogramm bietet eine kombinierte Video-/Audio-Spur sowie eine separate Tonspur. Für einen aufwendigen Beitrag wird das nicht reichen, aber um ein paar O-Töne zu schneiden (z.B. Vox Pops) oder um Stimmungsbilder in die Redaktion zu schicken, ist es annehmbar. Ein Touchscreen würde die Bedienung erheblich erleichtern, denn durch die vielen Möglichkeiten ist das Menü etwas unübersichtlich. Auch stört die fehlende Möglichkeit, In- und Out-Punkt auf den Frame genau zu setzen – man muss stets etwas herumprobieren. Ein externes Mikrofon, wie von Reuters eingesetzt, würde die Tonqualität sicher noch verbessern. Dazu müsste Nokia allerdings einen Adapter auf den Markt bringen. Als sehr angenehm empfinde ich die Möglichkeit, einen normalen Kopfhörer mit Klinkenstecker anzuschließen.

Das N95 kann für ein Handy verdammt viel, aber trotz allem bleibt es ein Zwitter. Das Schnittprogramm ist (naturgemäß) sehr beschränkt. Wer also ohnehin ein Notebook für Schnitt und Nachbearbeitung mitschleppt, kann gleich noch eine kleine Festplattenkamera einpacken – die Bildqualität wäre trotz allem deutlich besser.
Um ein Fazit zu ziehen: Ein Korrespondent kann mit dem N95 sein Handgepäck erheblich verkleinern – er sollte jedoch ein paar Ersatzakkus einpacken. UGC wäre mit dem N95 ein Leichtes, hier könnte nur der stolze Preis von 700 Euro abschrecken. Dem professionellen VJ aber wird das Handy Kamera und PC nicht ersetzen können. Daher wird Roman Mischel wahrscheinlich noch einige Zeit auf ein gutes Handy-Video warten müssen.

7 Kommentare bei “Nokia N95 – genug für den Multimedia-Journalisten?”

  1. Kleine Ergänzung: Für Reuters hat Nokia einen speziellen Adapter ins Set gesteckt, der den Anschluss eines externen Mikros erlaubt. Ebenfalls im Kit: Eine externe Tastatur und Akku-Packs, wahlweise mit Solar-Ladung. Ich brenne darauf, so ein Reuters-Package testen zu dürfen :-)

  2. Ha, bis auf Video löst ein iPhone jede Kritik die du an die Bedienung stellst ;)

  3. Sofern man davon absieht, dass die IPhone-Kamera nur zwei Megapixel ausspuckt und das Ding kein UMTS kann ;o)

  4. Hihi, die Kamera hast du ja nicht kritisiert :D ;).

    Ne, stimmt natürlich, ist halt einfach auch die Glaubensfrage wie sehr sich das Gerät dem Nutzer oder der Nutzer dem Gerät anpassen sollte.

  5. Vielen Dank für den Artikel, lieber Franz. Ich habe es mir heute besorgt ;-) Jetzt nur noch die Solar-betriebene externe Tastatur. Bin gespannt.

  6. Kann jemand sagen so man solche adapter bekommt (und ob überhaupt…) kann man sowas evtl auch selber bauen?

    grüsse, cut

  7. Der Adapter für Reuters war zum damaligen Zeitpunkt quasi ein Prototyp, der nur an die Nachrichtenagentur rausgegangen ist. Ob es so etwas inzwischen auch auf dem freien Markt gibt, weiß ich nicht.

    Selber bauen halte ich persönlich für unmöglich, da man keine Übersicht der internen Verschaltung hat - und bei einem Handy für mehrere hundert Eure würde ich keinen Kurzschluss riskieren.

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