Die Konkurrenz des Fernsehens heißt Print

Via Markus Hündgen bin ich auf Howard Owens aufmerksam geworden, der vier Kernthesen zusammengestellt hat, warum Zeitungen mit Online-Videos Rundfunkanstalten in Zukunft weit überlegen sein werden. Frei übersetzt, leicht modifiziert und verschlagwortet lauten sie wie folgt:

1. Verteilung: Der Vorteil von Print: In großen Städten, gibt es viel mehr Zeitungsreporter, die alle mit kostengünstigen Videokameras ausgestattet werden können. In kleinen Regionen können TV-Stationen nicht jeden Winkel abdecken, Printredakteure sind hier besser gestreut.

2. Beweglichkeit und Kosten: Da das Aussenden einer ganzen Film-Crew ein größerer Aufwand ist, werden Themen wohl überlegt ausgesucht und nicht alles produziert, was möglich wäre. Die Latte bei Themen für Printredakteure auch mit Videokamera ist niederschwelliger und bietet dem User damit ein größere Auswahl an Filmen.

3. Unabhängigkeit: Printjounalisten haben (noch?) nicht den Druck den perfekten Filmbeitrag nach allen vorgefertigten Konventionen abzuliefern. Experimente sind willkommen, eher schwummrige Bilder werden auch akzeptiert.

4. Mehr Lokale-Helden: Gerade durch den offeneren Umgang und Lokalität, haben Print-Video-Onliner die Möglichkeit, stärkeren Lokalbezug herzustellen und lokale Protagonisten zu Wort kommen zu lassen.

Ich finde die Punkte persönlich leicht überzogen, da ja bei Fernsehstationen bereits nicht mehr nur unbewegliche Teams, sonder auch einzelne VJs los geschickt werden und es von daher auch mehr freie Mitarbeiter in den entlegensten Winkeln gibt. Widersprüchlich empfinde ich auch die Aussage, dass die Quantität von Videothemen ein Pluspunkt sei. Stimmt natürlich, Auswahl ist immer gut, allerdings sollte dabei auch berücksichtig werden, dass man nur weil man die Ausstattung dafür hätte, sich jedes Thema auch dafür eignet als Video umgesetzt zu werden und man hier eher auf passendere Formen zurückgreifen sollte.
Ich finde allerdings, dass seine Ansätze durchaus motivieren, sich als Zeitung die Vorteile einmal vor Augen zu führen und zu experimentieren.

8 Kommentare bei “Die Konkurrenz des Fernsehens heißt Print”

  1. Punkt 1 trifft sicherlich auf den ersten Blick nicht überall zu. Im Ruhrgebiet sind die Öff-Rechtis gut aufgestellt - und sicherlich eine Konkurrenz im Lokalgeschäft. Auf dem platten Land sieht’s dagegen anders aus. Und je tiefer der Lokaljournalismus geht (”hyper localism”), desto eher klinken sich WDR und Co. aus. Als alter Sauerländer kann ich ganze Opern darüber singen… Ich warte nun auf die erste Video-Reportage über das Straßenfest nebenan :-)

  2. Die Frage ist aber, wann die Zeitungen dann den Aufwand für eine Videoproduktion für so “kleine” Themen für notwendig halten. Fünf wilde Schwenks und schwummerige Bilder kann auch ein Textreporter mitbringen, der noch keine Erfahrung hat. Aber einen richtigen Filmbeitrag - das erfordert mehr Zeit und Kenntnis. Für die Zuschauer ist die technische Qualität sicher zweitrangig - aber nur, so lange die Inhalte in der Waagschale attraktiv genug für sie sind. Man kann gespannt sein, wie sich das ausbalanciert.

  3. Wenn ich als Beispiel die Lokal-Redaktion nehme, in der ich vor dem Studium mein Praktikum gemacht habe, widerspricht die aber dem Bild da oben doch recht stark. Wer soll denn bei drei-vier Redakteuren die ganze Zeit rausgehen und filmen, wer soll das ganze denn in irgendeinen halbwegs sinnvollen Zusammenhang schneiden und event. vertonen - sorry, aber woher soll eine Lokal-Print-Redaktion denn das Geld und die Manpower hernehmen, um die ganzen lokalen Themen, die ja auch im Print abgearbeitet werden, auch noch per Video zu verarbeiten? Auch Freie kosten Geld und nicht jeder selbstlose Vereinsmitarbeiter, der kostenlos ein paar Sport-News für die Zeitung liefert, kann (oder ist bereit) auch Filmmaterial zu liefern.

    Weiß nicht, halte das für etwas realitätsfern, zumal es ja auch eine Fülle von lokalen Fernsehsendern gibt, die sich genau diese Themen zum Inhalt gemacht haben, ergo schon Konkurrenz existiert, bevor die Zeitung überhaupt anfängt. Vor allem Konkurrenz auf dem gleichen Niveau, da die meisten lokalen TV-Sender die ich kenne, eher YouTube-Qualität (nicht Niveau) haben.

  4. Die Diskussion passt ja: Hier soll es ab Montag so aussehen wie hier und Videoformate soll es auch reichlich geben … Da darf man gespannt sein, ob eine kleine Online-Redaktion das wirklich schafft … .

  5. Interessante Gedanken und eine diskussionswürdige These! Wobei ich mich den kritischen Stimmen vor mir anschließen würde. Print-Journalisten haben bereits einen solchen Zeitdruck, Texte rechtzeitig fertig zu stellen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sie zeitgleich auch noch einen qualitativ ansprechenden Fimlbeitrag produzieren können. Selbstverständlich sind Video-Clips eine tolle Zusatzleistung, nur frage ich mich, ob es die gegebenen zeitlichen und personellen Ressourcen zulassen!

  6. @ Markus & Fiete: Beim Straßenfest in Hinterdupfingen ist der Nachrichtenwert eines Videos sicher gering und schwummerige Kameraführung wirklich entschuldbar. Wohl geht es darum die Stimmung einzufangen, oder? Gerade so ein Video kann die Leute, die sich dann gerne einmal “im Fernsehen” sehen möchten, auf ein Video-Angebot aufmerksam machen und wiederum auch an einen Online-Auftritt binden. Für den Ö-R ein viel zu kleines Event um es zu filmen, für die Printmedien ein Pflichtermin?

    @ micha & bluejax: ich finde auch, dass mit bestehenden personellen ressourcen sicher ein solcher Aufwand - den es definitiv gibt trotz niederschwelligerer Umsetzung - ein komplettes. Aber es verlangt ja (noch) keiner das perfekte Web-TV-Programm ab sofort, sondern vielleicht erstmal ein paar Sahnestückchen zum Ausprobieren.

  7. Schöne Theorien - mehr aber auch nicht. der gute Howard hat wohl noch nie eine Zeitungsredaktion von innen gesehen, geschweige denn dort gearbeitet.

  8. Auch wenn es unglaublich klingen mag: Es gibt tatsächlich Lokalredaktionen (und zwar gar nicht wenige), die gieren nach der Möglichkeit, bewegte Bilder abzuliefern. Wohlwissend, dass die Arbeitstage dadurch bestimmt nicht kürzer werden. Da spielen Konkurrenzdruck, Generationswechsel und blanke Neugierde große Rollen.

    Mit der Zeit muss (und wird) sich ein Workflow finden, beide Medien nebenher laufen zu lassen. Und ja: Ausführliche Video-Berichte mit Vertonung etc. sollten aus Zeitgründen ganz hinten anstehen. Aber ordentlich gedrehte Eindrücke vom Schulfest, begleitet durch den ausführlichen Text-Bericht, sind doch auch was.

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