Verklagte Helden

hartplatz.jpgEnde des vergangenen Jahres gründeten “drei Fußballverrückte”, wie sie sich selbst titulieren, das Videoportal Hartplatzhelden.de . Dort stehen nicht die Bundesliga-Stars vom grünen Rasen, sondern die Amateurkicker vom Hartplatz im Mittelpunkt. Eine lobenswerte Idee könnte man meinen. Doch das sieht der Württembergische Fußballverband (WFV) ganz anders. Mit einer Klage vor dem Landgericht Stuttgart will er erreichen, dass die Betreiber es unterlassen, Videos aus Wettbewerbsspielen zu veröffentlichen, die im WFV-Bereich ausgetragen werden. Sollte die Klage Erfolg haben, könnte dies gravierende Auswirkungen für die rechtliche Basis des Web 2.0 haben.

Die Begründung des WFV sieht auf den ersten Blick klar aus: Der Verband macht Ansprüche geltend, weil die Beklagten Filmaufnahmen von Veranstaltungen des Klägers “verwenden und kommerziell nutzen”. Der WFV werde dadurch in der Verwertung und Vermarktung der von ihm ausgerichteten sportlichen Wettkämpfe beeinträchtigt und behindert. Schon im März hatte der Verband eine schriftliche Aufforderung bei den Betreibern eingereicht, im Juni folgte eine kostenpflichtige Abmahnung. Da keine Reaktion erfolgte, kam es nun zur Klage. Doch wie so oft geht es dem Kläger gar nicht nur um die Frage des guten Rechts, wie der Verband zu suggerieren versucht, sondern ums Geld. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dessen Mitglied der WFV als Landesvertretung ist, hat ein eigenes Internetportal namens Fussball.de. Es ist sicher nicht zu weit hergeholt, um zu prognostizieren, dass der DFB die Videoausschnitte von den Hartplätzen der Republik viel lieber dort sehen würde – ohne gleich Zensur oder andere Eingriffe unterstellen zu wollen.

Wem gehört der Freizeitfußball?

Es stellen sich einige Fragen: Wem gehört der Freizeit-Fußball – und alle anderen Sportarten? Gibt es neben der Pressefreiheit auch eine Freiheit des filmenden Fans? Darf der stolze Vater nicht der ganzen Welt zeigen, wie toll sein Knirps Fußball spielt? Und versucht der Verband etwa einen Präzedenzfall zu schaffen, indem er sich mit einem vermeintlichen finanziellen Leichtgewicht anlegt? Oder machen es sich die Aktiven viel zu einfach, wenn sie nicht erkennen, dass es das gute Recht des WFV ist, die Spiele unter seiner Obhut finanziell ausschlachten zu dürfen? Und verdienen nicht auch die Betreiber Geld mit ihrem Portal?

Mehr zum Thema gibt es bei Spiegel Online, Stern.de , Heise.de.

2 Kommentare bei “Verklagte Helden”

  1. Auf dem Blog zum Portal werden die Fragen auch schon diskutiert. Interessant finde ich zum einen das Statement: “Endlich ein Sammlung von Spielen der Amateur-Liga, die Initiative sollte der DFB eher unterstützen als bekämpfen.”

    aber auch “Ja aber als Laien-Fußballer will ich mich gar keiner filmischen Öffentlichkeit aussetzen.”

  2. […] geldquelle die man anzapfen kann um noch mehr kohle zu scheffeln hier die ganze seite zum thema Verklagte Helden : websehen […]

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