Arbeitskampf auf Youtube

Seit dreieinhalb Wochen streiken die Mitglieder der Writers Guild of America (WGA). Sie sind die Autoren von täglichen Shows, Fernsehserien und TV-Comedy. Der Grund für den Streik: Die Drehbuchautoren und Gagschreiber wollen ein Stück vom Kuchen, den Studios und Sender im Internet verdienen.

Dabei stehen die Autoren nicht (nur) mit Plakaten und Transparenten auf der Straße – ein Großteil des Arbeitskampfes wird wie beinahe immer über die Meinung der breiten Bevölkerung ausgetragen. Und welches Medium wäre für Fernsehautoren wohl besser geeignet als das Fernsehen selbst, um ihre Botschaft zu übermitteln? Die regulären Kanäle werden jedoch von der anderen Seite des Verhandlungstisches aus blockiert – von NBC, Fox, CBS, ABC, etc. Da kommt den Schreiberlingen das Internet mit Youtube gerade recht. Hier bekommen die Fernsehbosse zu spüren, dass sie sich mit Menschen angelegt haben, die ihren Lebensunterhalt mit dem Erfinden von Pointen und dem Gestalten von Fernsehunterhaltung verdienen. Im „PR-Krieg“, wie die Los Angeles Times titelte, hat die WGA klar die Nase vorn.

In kurzen Videoclips auf Youtube erklären die Schreiberlinge, warum sie kämpfen, stellen ihre Bosse als raffgierig dar oder machen sich schlicht über sie lustig. Einen ganzen Channel haben sie eingerichtet, auf dem sie auch vom Streik selbst berichten und das Publikum bei Laune halten.

Umfragen zeigen, dass unter zehn Prozent der amerikanischen Bevölkerung den Standpunkt der Studiobosse unterstützen. Zwei Drittel der Bevölkerung stehen sogar offen auf der Seite der WGA. Auch klassische Medien sehen den Zusammenschluss der Schreiber weit vorne. Je länger der Streik dauert, desto mehr sind auch Prime-Time-Serien wie CSI, Heroes oder Lost betroffen. Shows, die nicht nur in Amerika, sondern auch im Ausland stark gefragt sind und daher eine dicke Rendite versprechen. Fragt sich also scheinbar nur noch, wann die Studiobosse nachgeben. Der letzte Streik der WGA aus dem Jahr 1988 dauerte fünf Monate.

2 Kommentare bei “Arbeitskampf auf Youtube”

  1. Glück im Unglück: Gut, dass die Gilmore Girls eh nicht mehr produziert werden - sonst hätte man da unter Umständen eine spätere Ausstrahlung der nächsten Staffel in Kauf nehmen müssen ;o)

  2. Ich finde das Video super, sowas sollte sich mal die GDL zulegen. Das Anliegen der Autoren kommt ganz klar rüber und eigentlich jeder kann es nachvollziehen. Sie bekommen 4 Cent und wollen 4 Cent zusätzlich. Die GDL würde da jetzt von 100% Lohnerhöhung sprechen, aber das ist ein anderes Problem.

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