Nochmal draufgeschaut: Plebs.TV

“Was nicht ist, kann ja noch werden”, lautete das Websehen-Fazit vor knapp zwei Monaten über die neue Bürgerjournalisten-Plattform plebsTV. Ein erneuter Blick auf die Seite zeigt: Mühsam nährt sich das Eichhörnchen mit Streetcastern und Kreisliga-Clips.

Plebs.TV-LogoDen Start haben sich die Macher vom plebsTV sicherlich nicht so gemächlich vorgestellt, wie er sich jetzt erweißt. Nach wie vor sind die Seiten von plebs.TV gut gefüllt mit professionellem Reuters-Material - aber interessante User-Videos und Augenzeugenschnappschüsse bleiben rar, von Bürgern kaum eine Spur. Rund 200 registrierte User kann das Portal erst aufweisen, die Fähnchen auf der Weltkarte, die eine Video markieren, sind überschaubar.

Das scheinen auch die Initiatoren erkannt zu haben und rufen seit dem 12. November zum Wettbewerb auf. Scheinbar funktionierts. Zumindest tut sich was in der Rubrik “Contest”: 93 User-Beiträge sind dort innerhalb der letzten Woche eingegangen und die stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch der genauere Blick zeigt, wieder von UGC keine Spur: Bei den meisten Videos handelt es sich um “Streetcastings” - Voxpops von plebsTV-Reportern, bei denen die Befragten einfach zu einem beliebigem Thema in die Kamera erzählen können. Hintergrund: Die plebs.TVler wollen den Usern die Angst vor der Interaktivität im Web 2.0 nehmen und den einen oder anderen als Reporter gewinnen.

User Generated Content, wenn auch kein Bürgerjournalismus, findet sich zwar nicht in den weltweiten News der Plattform, aber dafür in der Rubrik Sport. Fußballvideos zu Partien wie Kreisliga A Trier gegen Saarburg oder Kreisliga B Mosel/Hochwal SV Kell gegegn SG Ehrang/Pfalzel gibt es hier. Gesehen (61 Views, 30 Views) wird es aber offensichtlich nur von der Mannschaft selbst. Trotzdem ist der lokale Charme das Potenzial der Seite. Denn wo etwas global interessantes passiert sind ja die Kollegen von Reuters am Start - in Kreisliga wohl eher kaum.

Plebs.TV

Frei nach dem Motto, wenn keiner freiwillig zu uns kommt, dann müssen wir die User eben locken, zahlt plebsTV auch für die Userbeiträge: Einen Euro gibt es auf das plebs.TV-Konto, für einen Beitrag, der mindestens 30 Sekunden lang ist, aus mindestens drei Bildern besteht und natürlich keine Rechte Dritter verletzt. Wohl eher ein symbolischer Betrag, der die Plattform nicht attraktiver macht. Laut Ralf Stöckl (ZIM v. d. LMU) produziert das Gros der Web 2.0-User eh aus privatem Vergnügen und nicht aus wirtschaftlichem Interessen Content.

Den Erfolg der Plattform muss man also suchen. Eigentlich schade, denn die Idee der Macher ist gut: Eine Plattform, auf der nicht nur Fun-Videos zu finden sind, sondern die das Potenzial für Bürgerjournalismus Ă la OhMyNews ist. Woran liegt es also, dass der große Erfolg hier noch auf sich warten lässt? Kann man so eine erfolgreiche Plattform überhaupt einfach so erschaffen? Braucht es einen Medienpartner im Rücken? Oder ist es vielleicht eine nationale Frage, wenn sich Koreaner und Amerikaner aktiv im Web beteiligen und UGC produzieren und Deutsche sich eher zurückhalten?

Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. So makaber es klingt, vielleicht braucht die plebs.TV erst einen Sturm, einen Anschlag auf eine U-Bahn, um die Masse an User erst einmal zu sich zu bewegen. Wahlweise könnte auch mangelnde Pressefreiheit oder unkritische Medienberichterstattung für ein Aufleben sorgen.

Bilder: plebst.TV

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