Web-TV vom Volk fürs Volk?

plebs, plebis = Das einfache Volk
televisus, televisionis = Der Fernseher

PlebsTV

Was ausschaut wie altmodisches Lateinvokabeln-Pauken ist in Wirklichkeit modernes Fernsehen für Jedermann. plebsTV ist die neue UGC-Plattform im Internet, auf der seit Mitte September Bürgerjournalisten ihre Nachrichten und Meinungen im Videoformat online stellen können. ‚Menschen werden zu Augenzeugen und Augenzeugen zu Reportern’, so lautet das offizielle Motto der Community, die sich noch im Beta-Status befindet. „plebsTV demokratisiert die Berichterstattung und zeigt die Welt wie sie ist: Aus der Perspektive der Beteiligten – direkt, ungefiltert und authentisch”, heißt es auf der Internetseite.

Nach „OhMy-News“ jetzt also auch ein Videoportal komplett im Citizen-Format? Der Klick auf die Homepage von plebsTV ist viel versprechend. Zu sehen ist eine Google-Weltkarte, auf der die verschiedenen Beiträge lokalisiert sind. Nach einer unkomplizierten Registrierung kann’s dann auch gleich losgehen mit dem bürgerlichen Berichten. Die User-Beiträge können unter verschiedenen Rubriken („World News”, “Local News”, “News aus dem Viertel”, “Sport”, “Events” oder “Politik”) publiziert werden.

Will man sich erst einmal umschauen, merkt man schnell, dass sich das Projekt noch in der Anfangsphase befindet. All zu viele Beiträge (wenige Hundert) sind noch nicht online. Der Weg zum “weltweit unterhaltsamsten und größten Online-News-Portal” it noch lang. Enttäuschend ist allerdings, dass sich der eigentliche Bürgerjournalismus irgendwo auf einem weißen Fleck auf der Weltkarte zu verstecken scheint. Oder ist Reuters seit neuestem unter die Amateure gegangen? Man klickt auf ein Agenturvideo nach dem nächsten, doch UGC ist nicht wirklich zu finden. Statt „News aus dem Viertel“ kann man sich Angela Merkel nochmal beim Chinabesuch anschauen.

Während sich You-Tube und Co. weiterhin großer Popularität erfreuen, muss der neue Online-Volkskanal wohl einfach noch an seiner demographischen Entwicklung arbeiten. Momentan sind erst wenige User registriert. Oder ist der Bedarf an Content-Sharing-Portalen inzwischen gedeckt? Die große Stärke von plebsTV – sofern Reuters-Beiträge nicht in der Überzahl bleiben – ist in der Theorie wirklich der Schwerpunkt Bürgerjournalismus. Denn der kommt auf den anderen Plattformen, auf denen es von TV-Mitschnitten und Raubkopien nun so wimmelt, wirklich zu kurz.

Dass sich der neue Web-Sender von illegalen Mitschnitten distanzieren will, wird in den Nutzerbedingungen nur all zu deutlich gemacht. Hier wird von fünf Maßnahmen zur Qualitätssicherung gesprochen – genannt werden allerdings nur drei. Inhalte, die das Urheberrecht verletzen oder pornografisch sowie rassistisch sind, können gemeldet und von der Redaktion gelöscht werden. Die hat ihren offiziellen Sitz übrigens auf den British Virgin Islands. Um sich von “Einflüssen verschiedener Interessensgruppen unabhängig” zu machen, habe man sich für eine Ansiedlung des Unternehmen auf den British Virgin Islands entschieden, heißt es auf der Website. Aha. Anfang 2008 soll plebsTV 2.0 starten.

Das Websehen-Fazit: Was nicht ist, kann ja noch werden!

5 Kommentare bei “Web-TV vom Volk fürs Volk?”

  1. Jede mitgeschnittene und auf YouTube veröffentlichte TV-Sendung ist mehr Bürgerjournalismus als ein Portal voller Reuters-Inhalte.

    /discuss ;)

  2. Meine Rede! Wobei ich TV-Mitschnitte auch nach wie vor nicht als Bürgerjournalimus bezeichnen würde. UGC ja, aber nicht Bürgerjournalismus … . Reuters fungiert in diesem Fall sicherlich nur als Platzhalter - wenn auch ein teurer (?) … .

  3. Naja, sie sind Ausdruck der Interessen der Bürger, wenn man es sehr rosarot sieht. Man muss natürlich mit einbeziehen dass es viele Menschen/Gruppierungen gibt, die Mitschnitte aus anderen Gründen hochladen, aber ich würde schätzen (ohne Belege dafür zu haben), das mehr als die Hälfte aller Sachen wirklich nur hochgeladen werden weil die Menschen dahinter sich speziell für diesen Inhalt interessieren/begeistern und ihn mit anderen teilen wollen um mit ihnen darüber zu reden und diskutieren zu können. Was imho eine mögliche Definition von Bürgerjournalismus ist.

    Zumal eine mit wesentlich geringerer technischer Hürde - selbst mit Videofähigen Handys werden die wenigsten Leute direkt immer alles aufnehmen, wenn ihnen etwas für sie interessantes passiert, so das Video-Bürgerjournalismus da schlicht noch keine spürbare Menge an Zulieferern hat, denke ich.

  4. Natürlich ist die Hürde ein Video zu produzieren höher als einfach ein Foto zu knipsen. Das wird auch die Hürde für plebsTV sein, schätze ich.
    Wenn man sich die immer angeführten Beispiele von BBC und CNN anschaut, dann ist das Augenzeugenmaterial meist von richtig großen Ereignissen. Da erhöht sich automatisch die Wahrscheinlichkeit, dass da einer was mitfilmt und online stellt.

  5. […] nicht ist, kann ja noch werden”, lautete das Websehen-Fazit vor knapp zwei Monaten über die neue Bürgerjournalisten-Plattform plebsTV. Ein erneuter […]

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