Neue Konkurrenz durch User Generated Content
Im Kampf um die wertvollste Ressource in der digitalen Medienwelt – die Aufmerksamkeit der Nutzer – müssen sich Senderchefs und Redakteure in Deutschland auf mächtige Konkurrenten online einstellen: Die UGC-Video-Reporter kommen. Durch günstiges Videoequipment, einfach zu handhabende Software und eine große Auswahl an stetig wachsenden Videoportalen etabliert sich User Generated Content neben Text- und Bildberichterstattung auch im Bereich Video zusehends. Die Konkurrenz der Amateurfilmer, Hobbyjournalisten oder unabhängiger Videoblogger ist nur einen Klick entfernt vom Videoangebot bedeutender Medienhäuser.
UGC Videos sind ungebunden, müssen keinem redaktionellen Kodex folgen, probieren schneller neue Ideen aus und sind meist frecher und unterhaltsamer als Beiträge unter der Marke eines Medienunternehmens. Dies beeinflusst die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der User, bietet gleichzeitig aber auch die Chance die Entwicklung des UGC im Bereich Video für das eigene Medienunternehmen zu nutzen und neue inhaltliche als auch distributive Möglichkeiten auszuschöpfen. „Überall dort, wo Inhalte gefragt sind, muss ein Medienhaus heute dabei sein. Und Inhalte sind das ja. Es sind zwar keine journalistischen Inhalte. Aber es sind Inhalte, die zur Meinungsbildung beitragen“, so Jürgen Doetz, Berater des ProSiebenSat.1-Konzerns.
Hauseigene Videoportale
Einige große Medienhäuser haben schon aufgerüstet: Das Videoportal Clipfish wurde von RTL im Sommer 2006 gegründet. Das Portal MyVideo gehört zu 30 Prozent zur ProSieben Sat.1 Media AG, außerdem seit April 2007 auch das Videoratgeberportal hausgemacht.tv. Im März 2007 hat sich auch der Print-Medienverlag Hubert Burda Medien bei Sevenload mit 20 Prozent eingekauft.
Die User haben die Möglichkeit bekommen, online zurückzusenden oder gar zuerst Informationen zu unterbreiten. Die Inhalte sind zwar nicht „zwingend journalistisch“ wie Jürgen Doetz angesprochen hat, aber genauso wenig hat UGC nur etwas mit Unterhaltung oder lapidaren Homevideos zu tun.
„Die Privatvideos treten in einen Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit den etablierten Sendern, denen sie gelegentlich allerdings auch wieder dienen. Wer lieferte die ersten bewegten Bilder aus dem Tsunami-Gebiet? Urlauber. Wer machte die ersten Aufnah-men in der Londoner U-Bahn nach den Bombenanschlägen? Die Betroffenen selbst. Doch das sind Ausnahmen im Vergleich zu jenen, die mit Laptop und digitaler Kamera ihr eigenes Programm machen. Der Einzelne mag dabei nicht den Anspruch haben, das Fernsehen zu verändern. Aber wenn Millionen Menschen senden, ist der Wandel unaufhaltsam – und fundamental.“ Georg Hamann, Die Zeit
Georg Hamann spricht hier die unaufhaltsame Veränderung gerade von Online-Medien durch UGC an, die man nicht unterschätzen sollte, sondern als Chance für den Online-Journalismus nutzen kann. Einen Ansatz, wie das funktionieren soll, liefert Dan Gillmor im Interview mit dem „Elektrischen Reporter“: “Journalismus wandelt sich von einem Vortrag zu einem Gespräch. Sie müssen an diesem Gespräch teilnehmen.”





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