Videoaufbereitung: archivieren oder integrieren?

Symbolbild Archiv, sxc.hu

Es gibt vereinfacht gesagt zwei Möglichkeiten, Videos journalistisch im Internet zu verwenden und darzustellen: Die erste ist es, sie für sich allein stehend selbsterklärend in einer Videogalerie, als Videostream oder als Download zu präsentieren, die andere ist es, das Video in einen Artikel zu integrieren. Vor- und Nachteile der beiden Methoden.

Wird das Video alleinstehend präsentiert, so geschieht das meist auf einer extra Video-Seite oder gekoppelt in eine Multimedia-Galerie. Der Fokus liegt dabei allein auf dem Inhalt des Videobeitrags. Hierbei handelt es sich oft um Fernsehbeiträge, die online zur Verfügung gestellt werden, um ungekürzte Agenturvideos oder um selbst produzierte kürzere Beiträge, die thematisch oder hierarchisch sortiert in einer bestimmten Kategorie abrufbar sind. Eine meist sehr knappe Beschreibung mit Stichwörtern hilft bei der Orientierung. Allein aus dem Video kann der User dann die Nachricht bzw. die Inhalte erfahren. Dieses Prinzip ist ähnlich dem der linearen Fernsehnutzung. Man schaltet wie im Fernsehen von einem Kanal auf den anderen, hat allerdings den Vorteil, die Inhalte selbst zeitunabhängig bestimmen und selektieren zu können. Diese Methode eignet sich gut, dem User ein Online-Video-Archiv anzubieten, in dem er selbst nach Interesse stöbern kann. Das Video stellt in diesem Fall die alleinige Nachrichtenquelle dar. Vorteil dieser Methode ist die Archivierung und thematische Sortierung. Nachteil: Kein Mehrwert durch Verknüpfung mit anderen multimedialen Elementen.

„Die Herausforderung des multimedialen Erzählens wird in Zukunft die Kombination von Text und Video sein, welche für die jeweilige Nutzungssituation unterschiedliche Schwerpunkte setzt (für den Computer- der den Fernsehbildschirm).“ (Meier 2002, Seite 137)

Die andere Methode ist die des multimedialen Storytellings durch Integration und Verknüpfung des Videos mit anderen medialen Elementen. Das heißt, ein Video-Beitrag wird multimedial mit anderen Elementen wie Texte, Animationen, Grafiken oder Fotos verbunden. Damit nutzt man die Stärken der Einzelmedien, grenzt ihre Schwächen aus und schnürt somit ein multimediales Paket zur optimalen User-Nutzung. Die Verwendung von Videos in einem solchen Beitrag hilft, ein Thema umfassend abzudecken. Im Optimalfall präsentiert der Text die wichtigsten Fakten und hilft dem User einen Überblick über die Nachricht zu bekommen.

„Man kann mit bewegten Bildern viel mehr rüberbringen als durch reine Texte. Atmosphäre schaffen, Stimmungen, Gefühle und Mimiken. In einem Text steht das Zitat nur irgendwie kommentarlos da. In einem Interview mit Video sehe ich wie eine Person reagiert, kann aus ihrer Mimik lesen“, so Matthias Adelmund im Interview.

Dort, wo die Aussagekraft von Text, Fotos oder Animationen aufhört, können Videos anknüpfen. Das Video ist in diesem Fall eine ergänzende Nachrichtenquelle und bietet einen Mehrwert für den User. „Die Ergänzung durch ein Video ist immer dann funktional, wenn sich kurze spannende Szenen ereignet haben: Nicht die ganze Rede des Bundeskanzlers, sondern nur der Ausschnitt mit der wüsten Beschimpfung der Opposition oder der „Freud’sche Versprecher“ sind es wert im Video gezeigt zu werden.“ (Meier, 2002)

Quelle: Meier, Klaus (Hrsg.) (2002): Internet-Journalismus. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Konstanz: UVK.

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