Barcamp Frankfurt – Das Websehen Resümee

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Ein Barcamp - Was ist das überhaupt? Web 2.0 Freaks unter sich, mögen die einen lästern. Web 2.0 Visionäre in entspannter inspirierender Arbeitsatmosphäre, loben dafür die anderen. Das Barcamp in Frankfurt an diesem Wochenende war mit seinen kreativen Sessions und dem offenen Austausch mit vielen interessanten Teilnehmern gerade auch in Sachen Videojournalismus und der Entwicklung des Internetfernsehens spannend. Buschka entdecken, einfallsreich.tv live erleben und die neuesten Pläne von Sevenload mitdiskutieren.

Mit dabei die beiden Macher von “Buschka-entdeckt-Deutschland” Jörg Buschka und Jan Vogel. Die beiden produzieren seit Sommer 2006 ebenselbiges Format als reines Internet-TV. Jörg Buschka selbst kommt ursprünglich vom klassischen Fernsehen und hat früher für das ZDF, Arte oder den SWR als Fernsehjournalist gearbeitet. Jan Vogel ist Marketingprofi und durch das Projekt zum Kameramann und Videospezialisten avanciert. Ihre wöchentliche Sendung nennen die beiden “Stand-Up Reportage Format” oder die Flucht nach vorne mit quality content für das Internet-TV. Das Konzept ist 50% Unterhaltung und 50% Journalismus - und dabei 100% Improvisation. Der Zufall führt Regie. Jede Woche entdeckt Buschka eine andere Stadt in Deutschland. Er läuft durch die Straßen und lässt sich von der Stadt und den Leuten inspirieren.

Logo Buschka

Bewusst setzt das Format auf konträre Längen als dass bei gewöhnlichen Internet-Clips üblich ist. Die Folgen sind insgesamt zwischen 20 und 30 Minuten lang. “Wenn einem was nicht gefällt, kann man ja auch vorspulen”, sagt Jörg Buschka und betont damit die Vorteile des Internetfernsehens. “Würde so eine Produktion im traditionellen Fernsehen ausgestrahlt werden, würde man 80 Prozent des Inhaltes raus schneiden.” Für Jörg Buschka und Jan Vogel sind es aber genau die 80 Prozent, die ihre Dokumentation ausmachen. Authentizität zählt. Sie wollen keine Klischees zeigen oder allein die Top-Sightseeing-Highlights der Städte. Die Leute der Stadt sollen zu Wort kommen und dabei reflektieren was eine Stadt wirklich ausmacht. “Wir laufen einfach los und kommen mit markanten Leuten ins Gespräch.” Dabei macht sich Buschka selbst gerne zum “Horst” wie er es nennt, würde seine Interviewpartner nach Raab-Marnier aber nie veräppeln.

Bereits 13 Städte wurden von Buschka entdeckt, die nächsten Folgen sind in Planung. Wobei Planung relativ ist. Es gibt keinen Drehplan. Kein festes Storyboard, kein vorgegebener Zeitplan einer Redaktion. Vom Dreh bis zur Erstausstrahlung im Internet vergehen oft drei Monate. Material sichten, schneiden, vertonen. Trotzdem sind sie immer regelmäßig mit ihren Folgen online und werden mittlerweile auch bei Sevenload als Reportage-Special mit einer Microsite gefeatured.

Einfallsreich.tv


Link: sevenload.com

Andreas Nink und Burkhardt Rosskothen sind ebenfalls Vordenker des Internetfernsehens. Gemeinsam haben sie die Wiesbadener Kommunikationsagentur Einfallsreich.tv gegründet und machen mit verschiedenen Video-Formaten fürs Web ihrem Namen alle Ehre. Raus aus dem klassischen Fernsehprinzip, dafür rein in neue Formate mit Qualität. Die Devise: Qualitativ hochwertiges Nischenprogramm schaffen. Das Ziel ist nicht schnell schnell ein paar Clips ins Netz hochzustellen, sondern eine Marke zu schaffen. Artvlog, messevlog, einfallsreich.tv, oder ganz aktuell der Trainer 2.0 bestätigen das.

Durch Publikation auf welt-online oder auf Sevenload steigert sich immerhin der Bekanntheitsgrad, aber das allein wirft noch keinen Gewinn ab. Einfallsreich.tv gibt dennoch nicht auf, glaubt an die Zeit nach der Durststrecke, wenn Internetfernsehen richtig groß wird. Das nächste Projekt ist daher schon in Arbeit: Eine Autotest Serie, die Autos auf deren Umweltverträglichkeit prüfen soll. Man darf gespannt sein.

Sevenload auf Erfolgskurs


Link: sevenload.com

Als einer der erfolgreichsten deutschen Start-Up-Pioniere war auf dem Barcamp Sevenload Gründer und -Geschäftsführer Ibrahim Evsan vertreten. Die kreativen Video-Content-Lieferanten blickten mit ehrfürchtigem Blick zu ihm auf, nutzten gern die Popularität von Sevenload, um ihre Produkte selbst bekannt zu machen. Noch. Langfristig gesehen glauben alle an weitere Distributionswege unabhängig von einer einzigen Plattform. Dem ist sich auch Ibrahim Evsan bewusst und will seine entdeckten Talente jetzt auch finanziell fördern und an den Einnahmen beteiligen und sie damit langfristig auch an seiner Plattform halten. Die Videocommunity hat in den vergangenen Wochen besonders mit dem Aufbau und der Strukturierung ihrer “Specials” überzeugt. “Jeder wird bei uns seinen eigenen Sender bekommen”, kündigt Evsan an, der vom Trend Internetfernsehen felsenfest überzeugt ist. Der Ausbau in mehrsprachige Versionen wie Türkisch oder Italienisch hat längst begonnen.

Die Frage für Buschka-entdeckt, warum auf Sevenload veröffentlichen und nicht auf YouTube, ist für die beiden Produzenten ganz klar: “YouTube ist unrelevant, unüberschaubar, deutscher Inhalt quasi kaum auffindbar und stellt man ein Video ein, verschwindet es nach ein paar Sekunden auch schon wieder von der Startseite.” Die Zeitbegrenzung für Clips auf zehn Minuten gab außerdem den Ausschlag, Sevenload als Plattform zu nutzen. Man habe natürlich auch versucht über RSS Feeds oder Itunes Publikum zu erreichen, aber Buschka bestätigt, erst seit sie von Sevenload gefeatured werden, sei die Popularität ihrer Sendung stark angestiegen. Man kennt sich. Man braucht sich. Man nutzt sich.

Das Schlusswort überlasse ich der Abmoderation von Buschka bei IFranz.tv. Wenn es vielleicht auch nicht danach aussieht, ich kann persönlich bestätigen, beide haben an diesem Abend nur alkoholfreies Bier getrunken.

Weitere Videoberichte vom Barcamp Frankfurt gibt es hier, hier, hier und voraussichtlich bald auch hier.

3 Kommentare bei “Barcamp Frankfurt – Das Websehen Resümee”

  1. […] dokumentiert, analysiert und selbst ausprobiert. Auch Julia hat Ihre Eindrücke in einem Beitrag zusammen gefasst. […]

  2. […] Gegensatz dazu setzten die Produzenten des online Stand-Up Reportage-Formats “Buschka entdeckt Deutschland” bewusst auf konträre Längen als das bei gewöhnlichen Internet-Clips üblich ist. […]

  3. […] Websehens dokumentiert, analysiert und selbst ausprobiert. Auch Julia hat Ihre Eindrücke in einem Beitrag zusammen gefasst. […]

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